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Darts Wettarten erklärt: Handicap, Over/Under, 180er und alle Spezialmärkte

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Darts-Wettarten: Welcher Markt passt zu welchem Spielertyp

Mein erstes Jahr als Darts-Wetter habe ich ausschließlich auf Sieger getippt — Match für Match, Turnier für Turnier. Mein ROI am Ende der Saison: minus acht Prozent. Nicht weil meine Prognosen schlecht waren, sondern weil ich den falschen Markt bespielt habe. Die Siegwette ist der intuitivste Einstieg, aber für viele Spielertypen und Konstellationen schlicht nicht der profitabelste Weg.

Sportwetten machen rund 56 % des Online-Glücksspiel-Umsatzes in Deutschland aus, und Darts hat innerhalb dieser Kategorie in den letzten Jahren überproportional zugelegt. Dieses Wachstum hat die Buchmacher gezwungen, ihre Darts-Märkte auszubauen — von der einfachen Siegwette über Handicaps und Over/Under-Linien bis hin zu Spezialmärkten auf 180er, Checkouts und sogar den 9-Darter. Was vor fünf Jahren eine Nische war, ist heute ein ausdifferenziertes Wettangebot, das unterschiedliche Ansätze und Strategien ermöglicht.

Die Wahl der Wettart ist keine Stilfrage — sie ist eine strategische Entscheidung, die zum eigenen Analysefokus passen muss. Wer sich primär mit Spielerstärken und Head-to-Head-Bilanzen beschäftigt, findet seinen Edge am ehesten in der Siegwette oder im Handicap-Markt. Wer die Scoring-Daten einzelner Spieler trackt — 180er-Rate, Checkout-Quote, durchschnittliche Legs pro Set — ist bei Over/Under-Märkten und Spezialmärkten besser aufgehoben. Und wer auf Turnierebene denkt, also Formkurven über mehrere Runden analysiert, sollte sich den Outright-Markt genauer ansehen.

In dieser Übersicht gehe ich jeden relevanten Darts-Wettmarkt einzeln durch: Wie er funktioniert, wann er Value bietet und welche Fehler ich in neun Jahren am häufigsten gemacht — oder bei anderen beobachtet — habe. Die Reihenfolge folgt der Komplexität: von der Siegwette als Grundlage bis zu den Spezialmärkten, die tiefere Datenarbeit erfordern.

Die Siegwette: Grundlage jeder Darts-Prognose

Bei einem Players-Championship-Event vor zwei Jahren habe ich eine Siegwette auf einen Spieler platziert, der laut Order of Merit auf Platz 45 stand — Quote 2,80 gegen einen Top-16-Spieler. Mein Grund: Der Favorit hatte in den letzten vier Wochen keinen Average über 92 gespielt, während der Außenseiter drei Turniere in Folge mit Averages über 97 aufgefallen war. Er gewann 6:3. Die Siegwette — Match Winner — war in diesem Fall die richtige Wahl, weil mein Edge genau in der Frage lag, wer das Match gewinnt, nicht in Legs-Totals oder Spezialstatistiken.

Die Siegwette ist der liquideste Markt im Darts: Hier setzt der größte Teil des Volumens an, hier sind die Margen am geringsten, und hier reagieren die Quoten am schnellsten auf neue Informationen. Bei einem typischen PDC-Major-Match liegt die Gesamtmarge auf den Siegmarkt bei 3 bis 5 % — das ist deutlich weniger als bei Spezialmärkten, wo Margen von 8 bis 12 % keine Seltenheit sind.

Die Herausforderung bei der Siegwette: Sie erfordert eine korrekte Einschätzung des Gesamtausgangs, und Darts-Matches sind — besonders über kurze Distanzen — hochgradig variabel. Ein Best-of-11-Legs-Match in der ersten Runde eines Players-Championship-Turniers kann durch ein einziges Break of Throw entschieden werden. Die wahre Gewinnwahrscheinlichkeit des Favoriten liegt in solchen Matches oft bei 60 bis 65 %, aber die Quoten preisen 68 bis 72 % ein. Diese Diskrepanz macht kurze Favoriten in Kurzdistanz-Matches systematisch überbewertet — und Außenseiterquoten systematisch attraktiver als sie aussehen.

Mein Ansatz bei Siegwetten: Ich suche gezielt nach Matches, in denen der Markt die aktuelle Form nicht korrekt reflektiert. Die Order of Merit ist ein Jahresranking und reagiert träge auf Formveränderungen. Ein Spieler, der in den letzten sechs Wochen stark gespielt hat, aber im Ranking auf Platz 40 steht, wird vom Markt anders bepreist als ein Spieler auf Platz 12, der seit zwei Monaten schwächelt. Die Siegwette ist genau dann profitabel, wenn diese Verzögerung zwischen Ranking und aktueller Leistung groß genug ist, um die Buchmacher-Marge zu überkompensieren.

Neben der klassischen Match-Siegwette gibt es den Outright-Markt — die Wette auf den Turniersieger. Dieser Markt öffnet oft Tage oder Wochen vor Turnierbeginn und bietet eine völlig andere Dynamik. Die Quoten bewegen sich über einen langen Zeitraum, getrieben durch öffentliche Aufmerksamkeit, Verletzungsmeldungen, Trainingsform und Auslosungen. Der Outright-Markt belohnt frühes Handeln: Wer vor der Auslosung eine Position eröffnet, sichert sich Quoten, die den Turnierbaum noch nicht einpreisen. Nach der Auslosung passen die Buchmacher ihre Preise an die konkreten Pfade an — und ein Favorit auf der leichteren Baumseite wird plötzlich kürzer, ohne dass sich an seiner tatsächlichen Spielstärke etwas geändert hätte. Diese Ineffizienz nutze ich bei jedem größeren Turnier.

Handicap-Wetten bei Darts: Legs, Sets und die Rolle des Formats

Handicap-Wetten haben meinen Ansatz bei Darts-Wetten grundlegend verändert. Ich erinnere mich an ein WM-Erstrundenspiel, bei dem der Favorit mit 1,18 bepreist war — ein Match, das laut Markt so gut wie entschieden war. Auf dem Handicap-Markt mit -2,5 Sets lag die Quote bei 2,40. Der Favorit gewann 3:0. Statt 18 Cent Gewinn pro Euro Einsatz hatte ich 1,40 Euro. Seit diesem Erlebnis ist der Handicap-Markt mein primärer Analysebereich.

Das Handicap bei Darts funktioniert wie in jeder anderen Sportart: Dem Favoriten wird ein fiktiver Rückstand auferlegt, dem Außenseiter ein fiktiver Vorsprung gegeben. Ein Handicap von -1,5 Legs für den Favoriten bedeutet: Er muss das Match mit mehr als 1 Leg Vorsprung gewinnen, damit die Wette aufgeht. Bei einem 6:4-Sieg in einem Best-of-11-Legs-Match wäre das Handicap-Ergebnis 4,5:4 — die Wette gewinnt. Bei einem 6:5-Sieg stünde es 4,5:5 — die Wette verliert.

Die entscheidende Variable bei Handicap-Wetten ist die Distanz. In einem Best-of-11-Legs-Match liegt die gängigste Handicap-Linie bei -1,5 Legs. In einem Best-of-19-Legs-Match — wie in den späteren Runden der Premier League — verschiebt sich die Standard-Linie auf -2,5 oder sogar -3,5 Legs. Die Buchmacher passen ihre Linien an die Distanz an, aber die Konversionsraten zwischen verschiedenen Distanzen sind nicht linear. Das ist der Punkt, an dem die meisten Hobbyanalytiker Fehler machen: Sie nehmen an, dass ein Spieler, der in einem Best-of-11-Match zu 35 % mit -1,5 Legs gewinnt, in einem Best-of-19-Match zu einem proportional ähnlichen Prozentsatz mit -2,5 Legs gewinnen wird. Das stimmt nicht — die längere Distanz bevorzugt den stärkeren Spieler überproportional, weil die Varianz über mehr Legs abnimmt.

Luke Littler erzielte im WM-Finale 2026 einen Average von 106 und dominierte Gian van Veen mit 7:1 in Sets. Bei solchen Leistungsdifferenzen ist das Handicap der einzige Markt, der attraktive Quoten bietet — denn die Siegwette steht bei 1,05 oder kürzer. Der Handicap-Markt verwandelt ein vermeintlich langweiliges Match in eine interessante Wettgelegenheit: Gewinnt Littler mit -4,5 Sets Handicap? Das erfordert einen 7:0, 7:1 oder 7:2-Sieg — und genau hier wird die Analyse tiefgründig.

Ein Fehler, den ich lange gemacht habe: Handicap-Wetten auf Legs in Set-Format-Turnieren. Bei der WM, die im Set-Format gespielt wird, sind Handicaps auf Sets aussagekräftiger als Handicaps auf Legs, weil die Set-Struktur zusätzliche Varianz einführt. Ein Spieler kann ein Set mit 3:2 in Legs gewinnen und trotzdem das Match klar dominieren — die Legs innerhalb eines Sets erzählen nicht immer die wahre Geschichte der Spielkontrolle.

Die Auszahlungsquoten bei Handicap-Wetten liegen typischerweise zwischen 1,80 und 1,95 auf beiden Seiten der Linie — deutlich enger als bei vielen anderen Sportarten. Die GGL schätzt die durchschnittliche Auszahlungsquote bei Sportwetten auf 76 %, aber bei Handicap-Wetten auf die großen Darts-Events liegt sie deutlich höher, oft bei 90 bis 93 %. Das macht den Handicap-Markt zum zweitliquidesten nach der Siegwette — und für mich zum Markt mit dem besten Verhältnis aus Analysierbarkeit und Margenbelastung. Wer die Konversionsraten zwischen verschiedenen Distanzen und Formaten versteht, findet im Handicap-Markt konsistenter Value als in jedem anderen Darts-Wettmarkt.

Legs vs. Sets: Warum das Format die Handicap-Linie verschiebt

Die Unterscheidung zwischen Legs-Format und Set-Format ist für Handicap-Wetten nicht nur relevant — sie ist der wichtigste einzelne Faktor. Ich habe das auf die harte Tour gelernt, als ich meine Legs-basierte Handicap-Analyse auf ein WM-Set-Match übertragen habe und komplett daneben lag.

Im reinen Legs-Format — wie bei der Premier League oder den Players Championships — wird jedes Leg einzeln gespielt und zum Gesamtergebnis addiert. Ein 6:4-Sieg in einem Best-of-11-Legs-Match bedeutet: Der Sieger hat exakt 6 Legs gewonnen. Die Handicap-Berechnung ist direkt und transparent.

Im Set-Format der WM wird innerhalb jedes Sets ein Mini-Match über Best-of-5-Legs gespielt. Das erzeugt eine zusätzliche Ebene: Ein Spieler kann ein Set mit 3:2 in Legs gewinnen — also nur ein Leg mehr als sein Gegner — und trotzdem den vollen Setpunkt kassieren. Diese Kompression führt dazu, dass die Gesamtzahl der gespielten Legs keine verlässliche Aussage über die tatsächliche Dominanz eines Spielers erlaubt. Ein 3:0-Sieg in Sets kann 9:0, 9:3 oder 9:6 in Legs bedeuten — die Varianz ist enorm.

Für die Handicap-Analyse hat das eine konkrete Konsequenz: Die Handicap-Linien auf Sets sind volatiler als Handicap-Linien auf Legs, weil jedes einzelne Set als binäres Ergebnis — gewonnen oder verloren — in die Wertung eingeht. Ein Favorit, der in jedem Set knapp mit 3:2 in Legs gewinnt, hat dasselbe Set-Ergebnis wie einer, der jedes Set mit 3:0 dominiert. Für Over/Under auf Total Legs ist der Unterschied enorm — für das Set-Handicap unsichtbar.

Meine Faustregel: Bei Set-Format-Turnieren wette ich bevorzugt auf das Set-Handicap, weil ich die Set-Gewinnwahrscheinlichkeit eines Spielers direkt aus seinem Average und seiner Checkout-Quote ableiten kann. Bei Legs-Only-Turnieren bevorzuge ich das Legs-Handicap, weil die Legs-Differenz dort die tatsächliche Leistungsdifferenz präziser abbildet. Der Wechsel zwischen diesen beiden Denkweisen — von Legs-basierter zu Set-basierter Analyse — ist der häufigste blinde Fleck, den ich bei anderen Darts-Wettern beobachte.

Over/Under bei Darts: Legs-Total und 180er-Linien

Over/Under-Wetten bei Darts haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Siegwette: Ich muss nicht vorhersagen, wer gewinnt — nur wie das Match verläuft. Das klingt einfacher, erfordert aber eine völlig andere Datengrundlage und Denkweise.

Der häufigste Over/Under-Markt bei Darts ist das Total Legs. Bei einem Best-of-11-Legs-Match liegt die Linie üblicherweise bei 9,5. Over 9,5 Legs bedeutet: Das Match geht über mindestens 10 Legs, also mindestens 6:4 oder 5:5 (was es im Best-of-11 nicht gibt) — praktisch jedes Match, das nicht mit 6:0, 6:1, 6:2 oder 6:3 endet. Under 9,5 Legs bedeutet: Ein klarer Sieg mit maximal 9 gespielten Legs.

Die Kalkulation hinter Over/Under auf Legs basiert auf einem einfachen Prinzip: Je näher die Spielstärken beieinander liegen, desto mehr Legs werden gespielt. Zwei gleich starke Spieler produzieren im Schnitt mehr Legs als ein stark einseitiges Match. Die Buchmacher modellieren das über die impliziten Siegwahrscheinlichkeiten der Einzellegs, aber sie berücksichtigen dabei einen Faktor oft nicht ausreichend: die Anwurf-Haltequote. Ein Spieler, der seinen Anwurf in 75 % der Legs hält, produziert in einem Match gegen einen ähnlich starken Halter deutlich mehr Legs als ein Spieler mit einer Haltequote von 60 %. Die Haltequote ist eine Statistik, die die meisten Wettkunden nicht tracken — und genau darin liegt der Edge.

Der zweite wichtige Over/Under-Markt sind die 180er. Bei der WM 2026 wurden insgesamt über 1.127 180er geworfen — im erweiterten 128-Spieler-Format eine neue Rekordmarke. Die 180er-Linie für ein einzelnes Match wird primär über die historischen 180er-Raten beider Spieler bestimmt. Ein Spieler mit einer durchschnittlichen Rate von 0,4 180ern pro Leg trifft auf einen mit 0,3 — die erwartete Gesamtzahl in einem Best-of-11-Legs-Match liegt dann bei etwa 7 bis 8 180ern, je nach erwartetem Legs-Total.

Der Trick bei 180er-Over/Under: Die Raten schwanken je nach Turnierphase und Tagesform deutlich stärker als Averages. Ein Spieler, der in der letzten Woche auf den Trainingboards intensiv den T20-Bereich geübt hat, kann seine 180er-Rate kurzfristig um 20 bis 30 % steigern. Diese Information ist öffentlich zugänglich — über Social-Media-Kanäle der Spieler, Trainingspartner-Berichte und die Statistikportale der ProTour. Die Buchmacher haben keinen systematischen Zugang zu diesen Soft-Informationen, und genau das macht den 180er-Markt für informierte Wetter attraktiv.

Ein weiterer Over/Under-Markt, der bei größeren Turnieren angeboten wird: der Match-Average. Die Linie liegt typischerweise bei 92,5 oder 94,5 Punkten. Hier ist die Analyse vergleichsweise einfach, weil die historischen Average-Daten beider Spieler leicht verfügbar sind. Der Fehler, den ich bei vielen Wettern sehe: Sie verwenden den Saisonschnitt beider Spieler als Grundlage, ohne zu berücksichtigen, dass das tatsächliche Match-Average nicht der Durchschnitt beider Einzelaverages ist, sondern von der Interaktion abhängt. Wenn zwei Spieler mit Averages um 95 aufeinandertreffen, liegt der erwartete Match-Average oft bei 93 bis 94 — weil der Druckfaktor in einem direkten Duell die Performance beider Spieler leicht senkt. Diese Differenz von ein bis zwei Punkten kann bei einer Linie von 94,5 den Unterschied zwischen einer profitablen und einer verlustbringenden Position ausmachen.

180er, Checkout und 9-Darter: Die Spezialmärkte im Detail

Michael van Gerwen hat es einmal so formuliert: Alle 17 Jahre werde ein Star geboren, und Luke sei einer davon. Was van Gerwen damit indirekt beschrieb, ist die Faszination der extremen Leistungen im Darts — und genau diese Faszination hat eine neue Kategorie von Wettmärkten hervorgebracht, die über die klassischen Ergebniswetten hinausgehen.

Der 180er-Markt existiert in zwei Varianten: als Over/Under auf die Gesamtzahl der 180er im Match (behandelt im vorherigen Abschnitt) und als Spieler-spezifische Wette — welcher Spieler wirft die erste 180, welcher Spieler wirft mehr 180er, oder wie viele 180er wirft Spieler X. Die Spieler-spezifischen 180er-Märkte sind jünger und weniger effizient bepreist als die Gesamtmärkte. Mein Ansatz: Ich vergleiche die individuelle 180er-Rate eines Spielers über seine letzten acht Turniere mit der Saisonrate und setze auf die Abweichung. Liegt die kurzfristige Rate über dem Saisonschnitt, wette ich Over auf seine persönliche 180er-Linie — vorausgesetzt, die Quote kompensiert das Risiko.

Der Checkout-Markt — oft als „Höchstes Checkout im Match“ angeboten — ist ein Spezialmarkt mit hoher Varianz und entsprechend hohen Quoten. Die Linie liegt üblicherweise bei 110,5 oder 120,5 Punkten. Ein Checkout über 120 erfordert ein hohes Finish — etwa 121 (T17, T10, D5) oder höher — und ist statistisch selten: Im Durchschnitt erzielt nur etwa jedes fünfte Match ein Checkout über 120. Hier liegt der analytische Ansatz nicht in der Spielerstärke, sondern in der Spielsituation: In einem engen Match, in dem beide Spieler regelmäßig auf ungewöhnliche Reststände zielen müssen, steigt die Wahrscheinlichkeit eines hohen Checkouts signifikant. Ein einseitiges 6:1-Match dagegen produziert selten hohe Finishes, weil der dominante Spieler seine Standard-Checkouts auf 40, 32 oder 16 abschließt.

Der 9-Darter-Markt — die Wette darauf, dass ein perfektes Leg mit neun Darts abgeschlossen wird — ist der extremste Spezialmarkt. Die Quoten liegen für ein einzelnes Match bei 25,00 bis 50,00, für ein gesamtes Turnier bei 3,00 bis 5,00. Ich persönlich bespiele den 9-Darter-Markt nicht auf Einzelmatch-Basis, weil die Wahrscheinlichkeit zu gering und die Varianz zu hoch ist. Auf Turnierebene — besonders bei der WM mit ihren über 120 Matches — sieht die Rechnung anders aus. Die erwartete Wahrscheinlichkeit für mindestens einen 9-Darter über das gesamte Turnier liegt bei etwa 30 bis 40 %, was bei Quoten über 3,00 einen positiven Erwartungswert erzeugen kann.

Die Einzelturnier-Wachstumsraten unterstreichen die wachsende Popularität dieser Spezialmärkte: Bei der BetMGM Premier League stiegen die Wetten um 22 %, bei den Ladbrokes UK Open um 41 %. Diese Zahlen zeigen, dass die Buchmacher ihre Spezialmärkte ausbauen, weil die Nachfrage wächst — und wachsende Märkte bedeuten wachsende Ineffizienzen, die analytisch orientierte Wetter ausnutzen können.

Kombiwetten und Systemwetten bei Darts-Turnieren

Ich werde regelmäßig gefragt, ob Kombiwetten bei Darts sinnvoll sind. Meine Antwort lautet seit Jahren gleich: Kombiwetten sind ein Werkzeug — kein gutes oder schlechtes, sondern eines, das richtig oder falsch eingesetzt werden kann. Die meisten Darts-Wetter setzen es falsch ein.

Der mathematische Grundsatz: Jede Kombiwette multipliziert die Einzelquoten — und damit auch die Margen der Buchmacher. Bei einer Dreier-Kombi mit jeweils 5 % Marge pro Auswahl ergibt sich eine Gesamtmarge von etwa 14 %. Das ist erheblich. Der globale Online-Glücksspielmarkt erreichte 2024 ein Volumen von ca. 73 Milliarden Euro und wächst mit einer jährlichen Rate von 11,9 % — und ein signifikanter Teil dieses Umsatzes entfällt auf Kombiwetten, die für die Buchmacher deutlich profitabler sind als Einzelwetten.

Trotzdem gibt es Szenarien, in denen Kombiwetten bei Darts strategisch Sinn machen. Das wichtigste: die Korrelation. Wenn ich zwei Auswahlen kombiniere, die positiv korreliert sind — also deren Eintrittswahrscheinlichkeiten nicht unabhängig voneinander sind — kann die Kombi einen positiven Erwartungswert haben, obwohl die Einzelwetten ihn nicht haben. Ein Beispiel: Ich kombiniere „Spieler A gewinnt“ mit „Over 10,5 Legs“. Wenn Spieler A nur in engen Matches gewinnt — weil er ein Comeback-Spieler ist, der früh Breaks abgibt und dann aufholt — sind diese beiden Ergebnisse korreliert. Die Buchmacher bepreisen die Kombi aber so, als wären sie unabhängig. Genau in dieser Diskrepanz liegt der Value.

Systemwetten — bei denen nicht alle Auswahlen richtig sein müssen — spielen im Darts-Bereich eine untergeordnete Rolle. Der Grund: Die Margenbelastung ist noch höher als bei einer klassischen Kombi, und die zusätzliche Sicherheit durch abgedeckte Fehlpicks wird durch die geringere Auszahlung überkompensiert. Ich habe in neun Jahren genau zweimal eine Systemwette auf Darts platziert — beide Male auf Turniersieger-Märkte, bei denen ich drei Spieler identifiziert hatte, deren Quoten alle Value boten, und ich die Gesamtposition über ein Dreier-System absichern wollte.

Meine Empfehlung: Wer Kombiwetten bei Darts spielen will, sollte maximal zwei Auswahlen kombinieren, ausschließlich korrelierte Ergebnisse nutzen und die resultierende Gesamtquote mit seiner eigenen Wahrscheinlichkeitseinschätzung abgleichen. Alles darüber hinaus — Vierer-Kombis, Fünfer-Kombis, die beliebte „WM-Kombi mit zehn Erstrundenmatches“ — ist Unterhaltung, keine Strategie. Für tiefergehende Analysen zu Wetten auf 180er bei Darts lohnt sich ein separater Blick auf die Daten.

Häufige Fragen zu Darts-Wettarten

Was ist der Unterschied zwischen Legs und Sets bei Darts-Wetten?
Ein Leg ist die kleinste Spieleinheit im Darts — ein Durchgang von 501 auf null. Ein Set besteht aus mehreren Legs, üblicherweise Best-of-5. Bei der WM wird im Set-Format gespielt, bei den meisten anderen PDC-Turnieren im reinen Legs-Format. Für Wetten bedeutet das: Handicap- und Over/Under-Linien auf Sets verhalten sich anders als auf Legs, weil die Set-Struktur zusätzliche Varianz einführt und die Ergebnisverteilung komprimiert.
Wie funktioniert Handicap-Wetten bei Darts?
Beim Handicap erhält der Favorit einen fiktiven Rückstand, der Außenseiter einen fiktiven Vorsprung. Ein Handicap von -1,5 Legs bedeutet: Der Favorit muss mit mehr als 1 Leg Vorsprung gewinnen, damit die Wette aufgeht. Bei einem 6:4-Sieg in einem Best-of-11-Legs-Match wäre das Handicap-Ergebnis 4,5:4 — die Wette gewinnt. Bei einem 6:5-Sieg stünde es 4,5:5 — die Wette verliert.
Welche Darts-Spezialwetten bieten die meisten Anbieter an?
Die gängigsten Spezialmärkte sind: Gesamtzahl der 180er im Match (Over/Under), höchstes Checkout, erster Spieler mit einer 180, korrekte Ergebnisprognose und bei großen Turnieren auch der 9-Darter-Markt. Die Verfügbarkeit hängt vom Turnier ab — bei der WM und der Premier League sind deutlich mehr Spezialmärkte verfügbar als bei regulären ProTour-Events.
Lassen sich verschiedene Darts-Wettarten in einer Wette kombinieren?
Ja, die meisten Wettanbieter erlauben Kombiwetten, bei denen verschiedene Darts-Wettarten — etwa eine Siegwette und eine 180er-Over/Under-Wette — in einer Wette zusammengefasst werden. Strategisch sinnvoll ist das nur, wenn die kombinierten Auswahlen positiv korreliert sind. Die Buchmacher-Marge multipliziert sich mit jeder zusätzlichen Auswahl, weshalb maximal zwei korrelierte Auswahlen empfehlenswert sind.

Material erstellt vom Team PFEILWURF